Was Vermittler jetzt daraus machen können
Wenn Gas an der Börse innerhalb weniger Tage spürbar teurer wird, passiert im Vertrieb fast immer das Gleiche: Kunden werden unruhig, Bestandskunden schieben Entscheidungen auf, und gleichzeitig entstehen kurzfristig gute Abschlussfenster, weil Preisunterschiede zwischen Tarifen größer werden.
Genau das sehen wir gerade wieder. Kälte, unterdurchschnittliche Speicherstände und geopolitische Risiken sorgen für Bewegung im Großhandel.1 Für Vermittler ist das ein klarer Anlass, aktiv zu werden.
Was aktuell die Preise treibt und warum das für Sie relevant ist
Kälte plus schwache Windstromerzeugung erhöht den Gasverbrauch. Das kann sich schnell im TTF-Preis widerspiegeln, weil der Markt kurzfristig auf Nachfrage reagiert1.
Speicherstände sind niedriger als üblich. Je weniger Puffer im System, desto stärker preist der Markt Risiken ein. Gleichzeitig betont die Bundesnetzagentur, dass die Gasversorgung in Deutschland stabil ist und die Versorgungssicherheit gewährleistet bleibt. Beides kann parallel stimmen: stabile Versorgung, aber mehr Preisschwankung.2
Regulatorik und Geopolitik bleiben ein Dauerthema. Ende Januar 2026 hat der EU-Rat eine Verordnung verabschiedet, die einen schrittweisen Ausstieg aus russischen Pipelinegas und LNG-Importen festschreibt. Das ist langfristig planbar, wirkt aber kurzfristig oft über Erwartungen und Risikoprämien.3
Der wichtigste Punkt für Ihr Tagesgeschäft
Viele Kunden hören “Gaspreis steigt” und schließen daraus: “Dann sind jetzt alle Tarife teuer.” Das stimmt so nicht.
Im Retail laufen Preise zeitversetzt und je nach Einkaufspolitik unterschiedlich. Genau deshalb öffnet sich in turbulenten Phasen oft eine größere Spreizung: manche Versorger passen schnell an, andere langsamer, wieder andere steuern über Laufzeiten, Preisgarantien oder Boni. Diese Unterschiede sind euer Hebel im Vertrieb.
So drehen Sie das Thema in ein sauberes Vermittlergespräch
Einstieg, der nicht nach Alarm klingt
„Im Großhandel ist gerade mehr Bewegung als noch im Herbst. Für dich zählt aber, was in deinem Vertrag steht. Lass uns einmal prüfen, ob dein Tarif noch zum Markt passt.“
Kundeneinwand: “Ich warte lieber ab.”
„Verständlich. Nur: Abwarten heißt bei Energie oft, dass du im teuren Bestand hängen bleibst. Wir können jetzt Optionen mit Preisgarantie prüfen. Wenn die Lage sich entspannt, kann man später immer noch reagieren.“
Kundeneinwand: “Ich habe Angst vor Versorgungslücke.”
„Die Behörden bewerten die Versorgung als stabil. Das Thema ist weniger ‘Gas ist weg’, sondern eher ‘Preise schwanken’. Darum geht es beim Tarif.”2
Kundeneinwand: “Ich hatte beim Wechsel schon mal Stress.”
„Dann schauen wir besonders auf Laufzeit, Kündigungsfristen, Preisgarantie und Abschlagslogik. Genau diese Details entscheiden, ob ein Wechsel ruhig durchläuft.“
Worauf Sie beim Vergleich jetzt achten sollten
- Preisgarantie sauber lesen: was ist abgedeckt? Energiepreis, Netzentgelte, Umlagen, Steuern? Viele Kunden denken bei “Garantie” an “alles fix”.
- Laufzeit und Kündigungsfenster: in einem nervösen Markt ist Flexibilität oft mehr wert als ein minimal niedriger Startpreis.
- Bonuslogik und Effektivpreis: nicht den Bonus “verkaufen”, sondern den Jahrespreis nach Bonus und die Kosten ab Jahr 2 klar zeigen.
- Abschläge plausibel erklären: gerade in Phasen mit Schlagzeilen rund um Preise und Speicher ist Transparenz beim Abschlag ein Vertrauensanker.
Ein praktischer Vertriebsansatz
Für die nächsten zwei bis vier Wochen gehen Sie am besten in vier klaren Schritten vor: Erst prüfen Sie Ihren Bestand und filtern Kunden mit kurzer Preisbindung, hohen Arbeitspreisen oder Tarifen aus teuren Einkaufsphasen. Dann priorisieren Sie nach Potenzial: zuerst hohe Verbräuche im Haushalt, danach Gewerbe, dann der Rest.
Im Gespräch zeigen Sie nicht zehn Tarife, sondern zwei: eine „sichere“ Option mit längerer Preisgarantie und eine „flexible“ mit kürzerer Laufzeit.
Zum Schluss dokumentieren Sie kurz und sauber, was besprochen wurde und warum der Tarif passt, gerade wenn Kunden wegen der Schlagzeilen nervös sind.
Quellen:
1finanzen.ch: „Reserven unterdurchschnittlich: Frostige Temperaturen lassen den Gaspreis nach oben schnellen“ (TTF-Preisniveau, Speicherstände Europa, Markttreiber)
2Bundesnetzagentur: „Aktuelle Lage Gasversorgung“ (Einschätzung zur Versorgungssicherheit, Daten und Lageberichte)
3Rat der Europäischen Union (Consilium): Pressemitteilung vom 26.01.2026 zur Verordnung für den schrittweisen Ausstieg aus russischen Gasimporten (Pipelinegas und LNG)
Europäische Kommission, Energy: REPowerEU Seite zur Verordnung vom 26.01.2026 und Veröffentlichung im Amtsblatt (Hinweise zum Rechtsrahmen)
ntv.de Beitrag (16.01.2026) Frostige Temperaturen lassen den Gaspreis nach oben schnellen
agrarheute.com (07.02.2026) Gaspreise steigen steil an – Gasspeicher fast leer





